ECSIT 

 

Erste Ergebnisse im Projekt ECSIT zum 100% Scanning der Exportcontainer in die USA

Ab Juli 2012 dürfen keine Container mehr in die USA importiert werden, die nicht zuvor im Abgangshafen gescannt wurden.

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Projekt ECSIT (Erhöhung der Container Sicherheit durch berührungslose Inspektion im Hafen-Terminal) aus dem nationalen Sicherheitsforschungsprogramm beschäftigt sich mit der Fragestellung, wie neuartige Inspektionstechnologien zu einer Erhöhung der Sicherheit von Containern führen können und wie diese in ein ganzheitliches Konzept einzubinden sind, ohne die Sicherheit und Performance des Hafenterminals zu beeinträchtigen.

Dass das Projektthema in der Öffentlichkeit auf großes Interesse stößt, zeigt sich anhand von zahlreichen Reaktionen, die das Projektkonsortium seit Projektstart im September 2010 erreichten. Daher stellt das Projektteam, dessen Zusammenarbeit vom ISL - Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik in Bremerhaven koordiniert wird, nun erste Ergebnisse vor.

Eine Projektgruppe hat sich mit der Aufnahme und Darstellung der heutigen Abläufe auf dem Containerterminal Bremerhaven beschäftigt. Die Containerflüsse, die auf dem Terminal stattfinden, wurden mit Unterstützung der Bremerhavener Terminalbetreiber Eurogate, MSC Gate und NTB aufgenommen und detailliert abgebildet. Der Aspekt der Behandlung von Gefahrgutcontainern wurde von der Hochschule Bremerhaven untersucht. Der nächste Schritt ist nun die möglichst optimale Integration der notwendigen zusätzlichen Prozesse, die für das Scannen der in die USA zu exportierenden Container erforderlich sind. Es ist geplant, verschiedene Konzepte zu entwickeln, die dann mit Simulationsunterstützung analysiert und auf ihre Umsetzbarkeit untersucht werden.

Hierfür wird das vom ISL entwickelte Simulationsmodell SCUSY (Simulation von Container-Umschlagsystemen) eingesetzt. Das Simulationswerkzeug ermöglicht eine detaillierte Prozessbetrachtung einschließlich ihrer visuellen Darstellung auf verschiedenen Detaillierungsebenen. Die Konzeptentwicklung sowie die Simulationsuntersuchungen werden noch in diesem Jahr abgeschlossen sein. Basierend auf den Simulationsergebnissen wird anschließend von Steria Mummert Consulting eine Kosten- und Wirtschaftlichkeitsuntersuchung durchgeführt. Diese Ergebnisse werden im 1. Quartal 2012 vorliegen.


Testbed Containerterminal Bremerhaven (Quelle: bremenports GmbH & Co. KG)

Eine weitere Untersuchung wurde hinsichtlich des Aufkommens an zu kontrollierenden Containern (Amerikaverkehre) auf der Basis aktueller Statistiken sowie Prognosen durchgeführt. Basierend auf ISL-Prognosen des Nachfragepotenzials für den Containerterminal Bremerhaven wurden für die Jahre 2012, 2015 und 2020 plausible Mengenszenarien aufgestellt. Für 2012 ist unter Berücksichtigung einer realistischen Umschlagserwartung von rund 400.000 Containern Richtung USA mit durchschnittlich 1.200 Boxen - innerhalb eines Spitzenmonats sogar mit 1.500 Containern - täglich zu rechnen, die den Scanprozess durchlaufen müssen, bevor sie auf ein Großcontainerschiff Richtung USA geladen werden dürfen. Für 2020 ist von nahezu 530.000 Containern in den Amerikaverkehren auszugehen. Dann muss das Containerterminal Bremerhaven in der Lage sein, täglich über 2.000 Container zu röntgen und auf Radioaktivität zu prüfen. In Spitzenstunden wird ein Volumen von 120 Containern zu bewältigen sein.

Die erarbeiteten Mengenszenarien der USA-Container-Verkehre wurden vom Konsortialpartner Smiths Heimann GmbH hinsichtlich der verschiedenen Containerströme und Anlieferwege analysiert, um hieraus Technologieanforderungen für die Scanning-Systeme sowie Platzbedarfe und mögliche Aufstellungsorte abzuleiten. Um einen reibungslosen Scan-Betrieb sicherzustellen, müssen alle Hafen-Prozesse von der Anmeldung des Containers bis zu seiner Verschiffung optimal abgestimmt sein. Der Inspektionsvorgang wird als 3-stufiger Prozess ausgelegt. In der ersten Hochdurchsatz-Stufe wird der Container geröntgt und gleichzeitig die Radioaktivität innerhalb des Containers gemessen. Sollte Radioaktivität innerhalb des Containers vorhanden sein, wird der Container in einer zweiten Stufe einer genaueren Analyse unterzogen. Hierbei lässt sich die Art der radioaktiven Quelle sehr genau bestimmen. Die für den Scanprozess bereitgestellten Informationen zum Containerinhalt erlauben einen Abgleich mit den gemessenen Daten. Nur wenn sich Unterschiede ergeben, die auch in einer zusätzlichen 3. Stufe nicht ausreichend aufgeklärt werden können, muss der Container geöffnet werden. Die 3. Inspektionsstufe ist für eine detailliertere und zeitintensivere 3-D Röntgenabbildung besonders kritischer Prüfgutbereiche vorgesehen. Diese Stufe wird von den Fraunhofer Instituten EMI und EZRT in Zusammenarbeit mit der Smiths Heimann GmbH entworfen.

Ferner wird im Rahmen des ECSIT Projekts von den Projektpartnern dbh Logistics IT AG, SAP AG und Smiths Heimann GmbH ein Informationssystem entwickelt, welches die Zusammenarbeit verschiedener Vertreter der Transportkette innerhalb und außerhalb des Hafens wie US Behörden, Hafenbehörde, Zoll oder Sicherheitsbehörden mit Fokus auf Container Scanning unterstützt. Ein Konzept für dieses Informationssystem wurde erarbeitet. Dabei wird das existierende Port Community System in Bremerhaven, die Bremer Hafentelematik, mit Komponenten für das Scanning sowie die US-Behörden über eine Kollaborationsumgebung integriert.

Kollaborationsumgebung ermöglicht den Austausch sicherheitsrelevanter Informationen, wobei die Vertraulichkeit dieser Informationen gewährleistet wird. Das Konzept wird in den nächsten Monaten weiter verfeinert und schließlich als Prototyp umgesetzt. Auch wenn europäische Vorgaben dafür sprechen, dass der bundesdeutsche Zoll Scananlagen vorhalten muss, ist bislang noch nicht geklärt, ob Bund, das Land Bremen oder private Anbieter das Container-Scanning anbieten werden. Entsprechende Anlagen werden jedenfalls in unmittelbarer Nähe des Hafens Bremerhaven zu errichten sein.